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im Landkreis Dingolfing-Landau

KI ist im Klassenzimmer angekommen

Start einer landkreisweiten Vortragsreihe an der Mittelschule Aitrachtal

KI im Klassenzimmer 01

Mit einem hochaktuellen Thema startete an der Mittelschule Aitrachtal in Mengkofen eine besondere Vortragsreihe: „KI im Klassenzimmer“.

Schulleiterin Lucia Wuddi begrüßte die Schüler der siebten bis neunten Jahrgangsstufen sowie die geladenen Gäste – Schulrat Michael Schütz und Alexandra Kohlhäufl, Regionalbetreuerin der IHK für den Landkreis Dingolfing-Landau. Referent Philipp Mann von der Agentur PHILIPP aus Dingolfing führte die Jugendlichen in die faszinierende und zugleich komplexe Welt der Künstlichen Intelligenz ein. Der Vortrag markierte den Auftakt einer landkreisweiten, ehrenamtlichen Vortragsreihe, die künftig an allen Mittelschulen im Landkreis Dingolfing-Landau stattfinden wird. Ziel ist es, Schülern die Chancen und Risiken von KI näherzubringen und ihnen zu zeigen, wie diese Technologie bereits heute den Alltag beeinflusst – von personalisierten Inhalten in sozialen Medien bis hin zu Sprachassistenten und Bildgeneratoren. Philipp Mann erklärte zunächst, warum Künstliche Intelligenz (KI) aktuell so präsent ist und wie sie den Alltag beeinflusst. Er zeigte, dass KI-Systeme wie ChatGPT Antworten nicht „denken“, sondern Wahrscheinlichkeiten berechnen, basierend auf riesigen Datenmengen. Ein Beispiel aus dem Alltag: TikTok und andere Apps personalisieren Inhalte durch KI, indem sie jede Interaktion analysieren. KI ist also eine „Wahrscheinlichkeitsmaschine“, die Muster erkennt und Vorhersagen trifft.

Geschichte der KI

Der Vortrag beleuchtete anfangs die Geschichte der KI: Erste Ideen stammen aus dem Jahr 1837, die Begriffe „künstliche Intelligenz“ und der berühmte Turing-Test entstanden in den 1950er-Jahren. Schon damals ging es darum, ob Maschinen menschlich wirken können – nicht ob sie „richtig“ denken. 1956 wurde KI offiziell als Forschungsfeld definiert, doch es folgten Rückschläge wie der „KI-Winter“, als Erwartungen nicht erfüllt wurden. Meilensteine waren der Sieg eines Supercomputers über Schachweltmeister Garri Kasparow 1997 und der Durchbruch bei Sprachverständnis 2011, als ein KI-System die Quizshow „Jeopardy!“ gewann. 2016 sorgte AlphaGo für Aufsehen, weil es nicht nur Experten im Brettspiel Go besiegte, sondern eigene Strategien erfand. Diese Entwicklungen zeigten, dass KI nicht nur rechnen, sondern kreativ handeln kann. Heute ist KI durch Anwendungen wie ChatGPT allgegenwärtig. Seit der Veröffentlichung Ende 2022 ist ChatGPT die am schnellsten wachsende App der Geschichte und kann Texte schreiben, programmieren, Bilder generieren und vieles mehr. Mann warnte jedoch vor Risiken wie Deepfakes und Falschinformationen, die durch KI leicht entstehen können. Philipp Mann betonte die Bedeutung kritischen Denkens und gab den Schülern ein praktisches Tool mit, das den Schulalltag erleichtern soll. Außerdem machte er deutlich: KI ist kein „Zauberwesen“, sondern basiert auf Daten, Algorithmen und Wahrscheinlichkeiten. Sie bietet große Chancen, erfordert aber verantwortungsvollen Umgang, um Missbrauch und Manipulation zu vermeiden. KI-Spezialist Philipp Mann erklärte den Schülern, wie KI funktioniert und wo sie bereits heute eingesetzt wird. Er zeigte anhand eines Beispiels, wie ein Deep-Learning-Netz aus Millionen Daten lernt, Muster zu erkennen – etwa bei der Bilderkennung oder Sprachverarbeitung. KI ist dabei keine „denkenden Maschine“, sondern berechnet Wahrscheinlichkeiten für die nächste passende Antwort. Anhand von Praxisbeispielen aus Unternehmen demonstrierte er den Einsatz von KI: etwa bei der automatisierten Sortierung von Gurken per Kameratechnologie (Computer Vision) oder bei KI-Telefonassistenten, die Routineanfragen übernehmen, um Mitarbeitende zu entlasten. Mann betonte, dass KI nicht den Menschen ersetzen soll, sondern „lästige“ Prozesse übernimmt, damit mehr Zeit für wichtige Aufgaben bleibt.

KI „live in Action“ erlebt

Besonders spannend waren die Praxisbeispiele, die den Vortrag lebendig machten: Schüler Maxim durfte in einem Zeichenprogramm verschiedene Motive skizzieren, während die KI „live“ erraten musste, was gezeichnet wurde – ein beeindruckender Einblick in die Funktionsweise von Bilderkennung. Schülerin Petra stand vor der Herausforderung, bei gezeigten Fotos und Videos zu entscheiden, ob diese real oder KI-generiert waren. Das erwies sich als nahezu unmöglich und verdeutlichte, wie perfekt KI mittlerweile täuschen kann. Er warnte vor Risiken wie Datenmissbrauch, wenn persönliche Informationen in KI-Systeme eingegeben werden, und vor „Halluzinationen“, also falschen Antworten, die überzeugend klingen. Auch ethische Probleme wie rassistische oder sexistische Verzerrungen in KI-Modellen sowie die Notwendigkeit von Transparenz wurden thematisiert. Ein weiteres Thema war die digitale Kluft: Nicht alle Menschen haben gleichen Zugang zu KI-Technologien. Der Experte Mann empfahl den Schülern das Tool „Perplexity“, das bei KI-Anfragen Quellen mitliefert und so die Verlässlichkeit erhöht. Er wies zudem auf den hohen Energieverbrauch großer KI-Modelle hin und die Bedeutung präziser Eingaben, um Ressourcen zu sparen. Abschließend machte er deutlich, dass KI ein mächtiges Werkzeug ist, aber verantwortungsvoll genutzt werden muss – mit kritischem Denken und klaren Regeln.

Realität oder KI-generiert?

Philipp Mann machte deutlich, dass KI nicht neutral ist, sondern durch ihre Trainingsdaten und die dahinterliegenden Interessen beeinflusst wird – bis hin zu politischer Propaganda. Er zeigte anhand von Beispielen, wie KI-Bilder stereotype Darstellungen erzeugen, etwa bei „typischen Familien“ oder „Millionären“, und warnte davor, diese als Realität zu betrachten. Kritisches Hinterfragen sei deshalb unerlässlich. Ein weiteres Thema war die parasoziale Beziehung zu KI: In Deutschland nutzen bereits 90 Prozent der Jugendlichen ChatGPT, und manche verbringen mehr Zeit mit KI als mit echten Freunden – eine gefährliche Entwicklung für soziale Kompetenzen. Mann erklärte, wie Plattformen wie TikTok in kürzester Zeit ein detailliertes Interessenprofil erstellen und Nutzer gezielt beeinflussen, auch für Werbung oder politische Inhalte. Er riet, die eigenen Datenschutzeinstellungen zu prüfen und nicht alle persönlichen Informationen preiszugeben. Zudem warnte er vor Filterblasen: Algorithmen zeigen nur Inhalte, die dem bisherigen Verhalten entsprechen, was die Sicht auf die Realität verzerrt. Als Tipp empfahl er, Apps gelegentlich neu zu installieren oder bewusst andere Inhalte zu liken, um die eigene „Bubble“ zu durchbrechen. Abschließend betonte er, dass KI zwar ein mächtiges Werkzeug ist, aber kein Ersatz für menschliches Denken. Wer KI kritisch nutzt und gleichzeitig eigene Entscheidungen trifft, ist für die Zukunft bestens gerüstet. Philipp Mann erklärte den Schülern, was Deepfakes sind und wie sie entstehen: mithilfe von Deep Learning, der komplexesten Form künstlicher Intelligenz. KI kann Gesichter, Stimmen und ganze Videos täuschend echt manipulieren – oft so perfekt, dass Fälschungen kaum zu erkennen sind. Er zeigte, wie neuronale Netze durch Millionen Trainingsdaten lernen, Muster zu verknüpfen, ähnlich wie beim Erlernen von Bewegungen im Alltag. Deepfakes betreffen nicht nur Bilder, sondern auch Sprache: Schon wenige Minuten Audio reichen, um eine Stimme realistisch zu klonen. Mann warnte deshalb vor der Gefahr, dass solche Fakes für Propaganda genutzt werden, etwa wenn Politiker Aussagen oder Dialekte vortäuschen, um Wähler zu beeinflussen. Er betonte, dass KI-Bilder und Videos kein Abbild der Realität sind, sondern der Trainingsdaten – und forderte die Schüler auf, Inhalte kritisch zu hinterfragen. Als Beispiel nannte er einen indischen Politiker, der Deepfake-Videos in verschiedenen Sprachen nutzte, um Wahlen zu gewinnen. Die zentrale Botschaft: KI kann für positive Zwecke eingesetzt werden, birgt aber Risiken für Manipulation und Meinungsbildung. Deshalb sei es wichtig, Quellen zu prüfen und Tools wie Suchmaschinen oder spezialisierte Dienste zu nutzen, um Echtheit zu verifizieren. Abschließend appellierte Mann an die Schüler, KI bewusst und verantwortungsvoll zu verwenden – nicht blind zu vertrauen, sondern immer zu fragen: „Kann das wirklich so sein?“ Philipp Mann stellte ein praktisches KI-Tool vor, das Schülern hilft, schwierige Fächer besser zu bewältigen. Mit der NotebookLM-App können Texte, PDFs, Webseiten oder YouTube-Videos hochgeladen werden, um Inhalte automatisch zusammenzufassen und verständlich aufzubereiten. So lassen sich komplexe Themen wie Gedichtinterpretationen oder Literaturwerke schnell erfassen. Die KI erstellt aus verschiedenen Quellen einen kompakten Überblick und erleichtert dadurch das Lernen. Ziel ist es, den Schulalltag effizienter zu gestalten und auch in ungeliebten Fächern gute Ergebnisse zu erzielen. Zum Abschluss dankte Schulleiterin Lucia Wuddi dem Referenten Philipp Mann für seinen hochinteressanten Vortrag zu einem komplexen Thema und überreichte ihm ein kleines Dankpräsent.

Bericht uns Fotos: Heribert Apfel
DA, 23.01.2026

KI im Klassenzimmer 01

Schulleiterin Lucia Wuddi (von links), Alexandra Kohlhäufl von der IHK, Referent Philipp Mann und Schulrat Michael Schütz.

 

KI im Klassenzimmer 02

Der Referent Philipp Mann erläuterte den Schülern die KI-Thematik.